Sylvensteinspeicher

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Der Sylvensteinspeicher

Der Sylvensteinspeicher ist kein Geschenk der Natur, sondern ein reiner Zweckbau. In den 1950ern hatten die Leute im Isartal – bis runter nach München – genug von den ständigen Überschwemmungen. Also hat man zwischen 1954 und 1959 diesen riesigen Damm hochgezogen. Das ist übrigens keine Betonmauer, sondern ein Erddamm, der etwa 44 Meter hoch und oben 180 Meter lang ist. Innen drin steckt ein Kern aus Lehm und neuerdings eine 70 Meter tiefe Dichtwand aus Beton, damit da absolut nichts durchsickert. Der Speicher ist quasi die Lebensversicherung für alle, die an der Isar wohnen, weil er bis zu 124 Millionen Kubikmeter Wasser fassen kann, wenn Unwetter den Pegel der Isar übermäßig ansteigen lassen.

Die Staumauer am Sylvensteinspeicher

Man stellt sich bei einer Talsperre ja oft eine riesige graue Betonmauer vor. Am Sylvenstein ist das anders. Das ist ein Erddamm. Warum? Weil der Untergrund dort so kiesig und tief ist, dass eine schwere Betonmauer einfach einsinken oder Risse bekommen würde. Der Damm ist etwa 44 Meter hoch und besteht im Kern aus einer Dichtung, die alles dicht hält.

Zwischen 2011 und 2016 haben sie dem Ganzen noch mal ein Upgrade verpasst: Eine 70 Meter tiefe Dichtwand wurde in den Untergrund gerammt. Das muss man sich mal vorstellen – das Ding geht tiefer in die Erde, als der Damm hoch ist! Das sorgt dafür, dass kein Wasser unter dem Damm durchsickert. Mit einem Speicherraum von 124 Millionen Kubikmetern ist er das Rückgrat für den Hochwasserschutz in ganz Oberbayern. Wenn im Karwendel der Schnee schmilzt und es gleichzeitig schüttet, fängt dieser See die Flutwelle ab, die sonst München unter Wasser setzen würde.

Das versunkene Dorf Alt-Fall

Das ist der emotionale Teil der Geschichte. Bevor der See 1959 fertiggestellt wurde, lag in dem Tal das Dorf Fall. Die rund 100 Einwohner mussten 1954 Platz machen. Es war damals eine der ersten großen Zwangsumsiedlungen für die Infrastruktur in Bayern. Das Dorf wurde gesprengt und abgerissen – und zwar gründlich. Es gibt diese berühmte Legende vom Kirchturm, den man im Wasser sehen kann. Das ist nur Seemannsgarn. Im Gegensatz zum Reschensee in Italien wurde in Fall alles dem Erdboden gleichgemacht, damit keine Trümmer die Turbinen der Kraftwerke beschädigen. Als der Sylvensteinsee für Reparaturarbeiten am Staudamm abgelassen wurde, kamen die alten Grundmauern zum Vorschein. Das hatte was von einem bayerischen Atlantis.
–> das alte Fall und der versunkene Kirchturm

Die Brücke am Sylvensteinspeicher

Die Faller-Klamm-Brücke ist das, was jeder Tourist kennt. Sie ist 390 Meter lang und wurde gleichzeitig mit dem See gebaut. Ohne sie gäbe es keine vernünftige Verbindung mehr nach Hinterriß und in die Eng am Ahornboden. Sie steht auf riesigen Pfeilern, die direkt im Seebecken verankert sind. Für Ingenieure war das damals eine echte Herausforderung, eine Brücke zu bauen, die auch dann stabil bleibt, wenn der Wasserspiegel um 20 Meter schwankt – was beim Sylvenstein völlig normal ist.
–> Faller Klamm Brücke

Wieviel Strom erzeugt der Sylvensteinspeicher?

Die beiden Kraftwerke am Sylvensteinspeicher (Kraftwerk I und das neuere Kraftwerk II) erzeugen zusammen im Durchschnitt etwa 20 bis 22 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr. Das schwankt natürlich immer ein bisschen: Wenn es ein sehr nasses Jahr mit viel Schmelzwasser gibt, laufen die Turbinen auf Hochtouren und es ist mehr. In extrem trockenen Jahren, wenn kaum Wasser durch den Damm gelassen wird, sinkt die Ausbeute entsprechend. Wenn man die 21 Millionen kWh als Mittelwert nimmt, kann der Sylvensteinspeicher rechnerisch rund 6.000 Haushalte komplett mit sauberem Strom versorgen. Rechnet man eher mit sparsamen Zwei-Personen-Haushalten (ca. 2.500 kWh), reicht die Energie sogar für über 8.000 Haushalte.

Der Speichersee rettet die Isar

Was viele nicht wissen: Der See „atmet“. Er produziert nicht nur Strom durch seine zwei Kraftwerke, sondern er rettet der Isar im Sommer sprichwörtlich den Hintern. In extrem trockenen Sommern würde die Isar in München fast austrocknen. Dann lässt das Wasserwirtschaftsamt kontrolliert Wasser aus dem Sylvensteinspeicher ab, damit der Fluss unten lebendig bleibt. Das nennt man Niedrigwasseraufhöhung. Ohne diesen „Hahn“ am Sylvenstein wäre die Isar im Sommer oft nur ein trauriges Rinnsal.

Natur pur trotz künstlichem Becken

Obwohl der See künstlich ist, ist er heute ein Paradies. Es gibt dort keinen Motorenlärm, weil Motorboote streng verboten sind. Das macht den See für uns Wanderer und SUP-Fahrer so genial ruhig. Aber der See hat einen natürlichen Feind: Kies. Die Isar bringt jedes Jahr tausende Tonnen Geschiebe mit. Würde man nichts machen, wäre der See in ein paar hundert Jahren einfach eine flache Kiesbank. Man muss also ständig beobachten, wie viel Platz noch für das Wasser bleibt.

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